Urheberrecht greifbar gemacht: “Fotos rechtssicher nutzen im Internet!”
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buch von copytrack zu urheberrecht von fotos

Neue Publikation für Blogger, Webdesigner und Online-Händler

Berlin, 07. Mai 2018: “Wissenslücken, gefährliches Halbwissen und Missverständnisse” begegnen Marie Slowioczek-Mannsfeld täglich in ihrem Beruf. Die Juristin ist auf Urheberrecht spezialisiert und weiß, woher falscher und oft sträflicher Umgang mit Fotos im Netz rühren. Um Bildnutzern zu helfen und sie vor Fehltritten bei der Verwendung von Bildmaterial zu schützen, hat sie mit Rechtsanwalt Robert Golz ein Buch veröffentlicht. Dieses richtet sich an juristische Laien wie Webdesigner, Blogger, Webshop-Betreiber und Online-Redakteure. Ihnen und allen anderen kommerziellen Fotonutzern vermitteln die Autoren anschaulich die rechtlichen Grundlagen für den Gebrauch von Fotos im Internet. Sie geben erprobte Tipps und praktische Hilfestellungen für die Umsetzung des Gelesenen – ergänzt von zahlreichen Checklisten sowie Mustertexten für Verträge.

“Das Urheberrecht ist sehr komplex und scheint schnell verwirrend. Die Folge sind oft ungewollte Rechtsverletzungen”, erklärt Marie Slowioczek-Mannsfeld. “Wir wollten ein Buch schreiben, das Bildrecht jedem greifbar macht. Daher ist der Leitfaden so praxisnah wie möglich aufgebaut”, ergänzt die Leiterin der Rechtsabteilung von Copytrack – einem weltweit führenden Bildrechtportal. Im ersten Teil vermittelt die Publikation das Urheberrecht und die Rechte von Fotografen an sich. Sie thematisiert u.a. alles Wissenswerte zum Bilderwerb, zu Nutzungsrechten für unterschiedliche Verwendungszwecke, zu Lizenzverträgen, Richtlinien für die Bildbearbeitung und zum Umgang mit Stockfotos. Der zweite Teil erklärt, was hinsichtlich Abbildung von Personen, Sachen wie privaten Gebäuden oder urheberrechtlich geschützten Werken im Internet zu beachten ist. Im dritten und abschließenden Teil widmen sich die Autoren den Konsequenzen von Rechtsverletzungen wie möglichen Ansprüchen auf Schadensersatz der Bildurheber und den Rechten von Bildnutzern gegenüber Bildagenturen oder Fotoherstellern.

 

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Interview mit Marie Slowioczek-Mannsfeld zu ihrem Buch „Fotos rechtssicher nutzen im Internet“:

Kannst Du kurz erklären, wie es zu diesem Buch kam und was Du mit ihm erreichen willst?

Robert Golz und ich haben einige Jahre gemeinsam als Rechtsanwälte im Bereich Urheberrecht gearbeitet. Wir haben hauptsächlich Fotografen beraten und uns ist aufgefallen, dass es bei der Verwendung von Bildern im Internet einige Wissenslücken, gefährliches Halbwissen und Missverständnisse gibt. Letztlich ist es nicht immer böse Absicht, die zu einer Rechtsverletzung führt. Unwissenheit schützt aber vor Strafe nicht. Deswegen hatten wir die Idee, einen Leitfaden für Bildverwender zu verfassen, der helfen soll, Fotos im Internet rechtssicher zu verwenden.

Ist das Buch speziell an Unternehmer adressiert?

Das Buch richtet sich nicht nur an Unternehmer, sondern an jeden, der Fotos im Internet verwendet – Blogger, Journalisten, Plattformbetreiber etc. Es dürfte für alle, die Fotos kommerziell nutzen wollen, besonders wichtig sein, keine Rechtsverletzung zu riskieren. Wer online sein Geld verdient, sollte sich sicher sein, dass er dabei keine Rechte anderer verletzt. Das gilt insbesondere auch für die Urheberrechte derer, deren Bilder man verwendet, zum Beispiel um seine Produkte zu bewerben. Das ist nicht nur eine Frage der Fairness, Urheberrechtsverletzungen können auch teuer werden. In jedem Fall aber kosten sie Zeit und Nerven. Dabei können solche Fehler leicht vermieden werden, wenn man die Spielregeln kennt. Hierfür soll unser Buch helfen.

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Was sind die größten Missverständnisse in Bezug auf digitale Inhalte?

Der größte Irrglaube ist, dass alles im Internet frei verfügbar ist. Viele Internetnutzer denken, dass alles, was sie über Google finden, ohne Weiteres kopiert und verwendet werden darf. Ein häufiges Missverständnis ist auch, dass es eines Copyright-Hinweises bedarf, um ein Bild urheberrechtlich zu schützen. Das stimmt nicht. Ein Foto ist auch ohne Copyright-Hinweis geschützt. Ebenso verbreitet ist der Irrglaube, dass man ein Bild verwenden darf, wenn man die Quelle angibt. Das trifft in wenigen Ausnahmen tatsächlich zu. In den meisten Fällen stimmt es aber nicht.

Warum wird online so häufig geklaut?

Weil es so einfach ist. Im Internet gibt es alles zu jeder Zeit. Man muss nur bei Google einen Suchbegriff eingeben und schon hat man das gesuchte Bild, das dann auch noch schnell und in guter Qualität heruntergeladen werden kann. Man muss sich nirgends anmelden, muss nichts bezahlen. Das ist eine Sache von wenigen Minuten. Und häufig fehlt dann noch das Wissen, dass Bilder auch im Internet urheberrechtlich geschützt sind.

Wir bei Copytrack wollen das Internet zu einem faireren Ort machen. Wir verhelfen Fotografen zu ihrem rechtmäßigen Lohn. Wir werden aber oft missverstanden und Abzocker oder Betrüger genannt. Was glaubst Du, warum Leute so reagieren?

Zunächst ist natürlich niemand darüber glücklich, wenn er auf einen Fehler hingewiesen wird. Viele Urheberrechtsverletzungen im Internet passieren auch nicht absichtlich, sondern aufgrund fehlenden Wissens. Deshalb sind sich viele Bildverwender keiner Schuld bewusst und reagieren misstrauisch, wenn ihnen ein Fehlverhalten vorgeworfen wird. Dazu kommt, dass es im Internet tatsächlich genug Betrüger gibt, die leichtgläubigen Menschen Geld abluchsen wollen. Insofern ist es absolut normal und völlig verständlich, wenn man Dienstleistern wie Copytrack erst einmal skeptisch gegenübersteht und sich alles erklären lässt oder Rat von einem fachkundigen Anwalt einholt. Häufig fehlt es aber auch nach der Erläuterung des Sachverhaltes an dem notwendigen Unrechtsverständnis. Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Was glaubst Du, warum es viele mit Diebstahl im Internet nicht so ernst nehmen wie mit Diebstahl in der “echten Welt”?

Ich denke, das liegt an zwei Dingen. Zum einen ist Bilderklau im Internet sehr verbreitet – es gilt als Kavaliersdelikt. Zum anderen liegt das in der Natur der digitalen Sache. Stiehlt man einem Tischler ein Möbel, dass dieser hergestellt hat, ist es weg. Der Tischler hat ganz umsonst gearbeitet. Stiehlt man einem Fotografen ein digitales Bild von seiner Webseite, hat er auf den ersten Blick überhaupt keinen Schaden. Das Bild ist ja noch da, er kann es weiterverkaufen. Weg ist nur eine Kopie. Da kann man sich schon einmal denken: Warum stellt sich der Fotograf überhaupt so an? Daran, dass der Fotograf vom Verkauf der Abzüge oder Kopien seiner Fotos lebt, wird häufig nicht gedacht.

 


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Was sind gute Tipps für alle, die auf der Suche nach Bildern für ihr Internet-Unternehmen sind?

Vertrauen Sie nicht auf kostenlose Datenbanken im Internet. Wenn Sie Fotos gewerblich einsetzen wollen, nehmen Sie etwas Geld in die Hand und erwerben Sie bei einer seriösen Agentur eine Lizenz. Sollte dann etwas mit den Rechten an dem Bild nicht stimmen, können Sie gegebenenfalls Regress bei der Agentur nehmen. Und wenn Sie Bilder bei einer Agentur kaufen, machen Sie sich mit den Lizenzbestimmungen vertraut. Agenturen nehmen zum Teil für den Verstoß gegen die Lizenzbestimmungen empfindliche Vertragsstrafen. Häufig gibt es abseits der trockenen AGB auch gute Übersichten, die die Nutzungsrechte im Einzelnen zusammenfassen.

“Das Internet entwickelt sich schneller als die Gesetze, die es regeln.” Glaubst Du, dass das Gesetz zukünftig in der Lage sein wird, das Internet zu regulieren, ohne seine Nutzer einzuschränken?

Der Mechanismus der Legislative ist langwierig, besonders, wenn er länderübergreifend, z.B. auf europäischer Ebene arbeitet. Deshalb kann die Legislative nicht so schnell auf jede Veränderung oder neue Erfindung reagieren. Ich bin aber optimistisch, dass es eines Tages gelingen wird, auch das Internet sinnvoll, d.h. aber auch maßvoll, zu regulieren. Wenn wir uns anschauen, was in den letzten Jahren passiert ist, sind wir wahrscheinlich auf einem guten Weg. Dazu kommt auch die Rechtsfortbildung durch die Gerichte. Solange es allerdings immer noch so schwer verständlichen formal-juristischen Entscheidungen wie die zur Zulässigkeit des Framings gibt, ist noch einiges zu tun.

Das Recht variiert von Land zu Land. Das Internet ist jedoch global. Welche Art von Problemen verursacht dies und was kann getan werden, um sie zu lösen?

Ein Bild, dass im Internet unrechtmäßig verwendet wird, kann rund um die Uhr und von jedem Ort der Welt abgerufen werden. Das wirft die Frage auf: Wo ist die Rechtsverletzung eigentlich passiert? Die Antwort auf diese Frage ist wichtig, denn danach bemisst sich nicht nur, unter welchem Recht die Bildverwendung beleuchtet werden muss, sondern auch welches Gericht örtlich zuständig ist. Häufig lässt sich die Frage aber gar nicht so leicht beantworten. Das ist auf jeden Fall ein Problem des globalisierten Internets. Wenn man das anwendbare Recht bestimmt hat, kommt hinzu, dass die Grundsätze des Urheberrechts zwar international ähnlich sind, sich die Gesetze in den Details aber unterscheiden. Eine eindeutig rechtsverletzende Handlung in Deutschland kann in den Niederlanden z.B. völlig legal sein. Zuletzt ist natürlich auch die Frage der Höhe des Schadensersatzes offen. Das österreichische Urheberrecht beispielsweise sieht vor, dass der Urheber das doppelte seiner angemessenen Entlohnung als Schadensersatz verlangen kann. Das deutsche Gesetz kennt so eine pauschale Verdoppelung nicht. All dies erfordert spezielle Kenntnisse, die häufig nur von einem Experten vor Ort richtig eingeschätzt werden können. Das macht eine grenzüberschreitende Durchsetzung von Urheberrechtsverletzungen häufig mühsam und teuer.

Toll wäre es, wenn das Urheberrecht international vereinheitlicht werden würde. Aber das dürfte ein Wunschtraum bleiben. Auf europäischer Ebene gibt es einige Ansätze und Richtlinien. So weit wie im Markenrecht, das europaweit harmonisiert wurde, sind wir aber noch lange nicht.

Wird das Internet jemals ein sicherer Ort sein, um Arbeiten zu teilen? Oder ist das Risiko ein Teil seiner Natur?

Es werden im Internet immer Bilder geklaut werden. Ich denke aber, die Vorteile, die die Präsentation und das Angebot der eigenen Bilder für einen Fotografen im Internet bieten, überwiegen die Nachteile des Bilderklaus. Es ist ja auch nicht so, dass Fotografen völlig schutzlos sind. Es gibt technische Möglichkeiten, die auf verschiedene Weisen Bilderklau vorbeugen. Es liegt beim Fotografen, sich schlauzumachen. Seine Haustür lässt man ja auch nicht unverschlossen. Ebenso kann man – in gewissem Rahmen – Bilderklau den Riegel vorschieben. Ganz ausschließen kann man ihn aber nicht.

 

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Zu den Authoren von „Fotos rechtssicher nutzen im Internet“:

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Marie Slowioczek-Mannsfeld war bei der Berliner Kanzlei HÄRTING Rechtsanwälte PartGmbB drei Jahre als Rechtsanwältin für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht verantwortlich. Seit November 2016 ist sie Head of Legal der COPYTRACK GmbH. Neben ihrer dortigen Tätigkeit hält sie Seminare und Vorträge zum Fotorecht. Als leidenschaftliche Fotografin ist sie nicht nur von Berufs wegen für Fragen und Probleme des Fotorechts sensibilisiert.

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Robert Golz ist Partner bei HÄRTING Rechtsanwälte und Fachanwalt für Urheberrecht und Medienrecht. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt liegen im Urheber-, Presse- und Persönlichkeitsrecht.

 


Das Buch „Fotos rechtsicher nutzen im Internet“ ist im mitp-Verlag erschienen und im gängigen Buchhandel erhältlich.